Edinburgh Regatta

Montag, 01.06.2009 Start 16:20

 

Bei nordwestlichen Winden um die 15 kn starten wir unter Gennaker in südöstliche Richtung.

Nachdem die HEXE, nicht als erstes Schiff dieser Startgruppe, über die Startlinie ging, konnten wir sehr schnell am Feld vorbeiziehen. Noch bevor wir Helgolands Südwestspitze, die lange Anna, passierten, hatten wir auch die ersten beiden Starts hinter uns gelassen.

Der Wetterbericht sagte Nordwest 20-25 kn mit Böen bis zu 28 kn voraus. Weil es am Mittwoch im Eingang zum Firth of Forth zu der für uns errechneten Ankunftszeit abflauen und rechts auf Nordost drehen sollte, empfahl uns Meno, 5° südlicher zu steuern und mit einem ordentlichen Schrick in den Schoten schnell Richtung Edinburgh zu fahren.

So machten wir es dann auch.

Helgoland war knapp, die anderen Schiffe lange außer Sicht, da mußte wegen auffrischendem Wind von der G1 auf die 3 gewechselt werden. Die Nut war leider in Lee, so wurde gewendet, G3 hoch (sehr hohe Reibungswiderstände) und nachdem das Schiff wieder auf Kurs war, sollte die G1 geborgen werden. Dabei geriet wohl eine Bucht ins Wasser, wurde mitgerissen und konnte nur mit allen Kräften (wohl 15 Mann) und erneutem Wenden auf Steuerbug geborgen werden. Seezaun verbogen, Zeit (vielleicht 20 min) verloren, Stück in die falsche Richtung gesegelt, aber Segel heil ! Pust !!

"Synfonie Sylt" war jedenfalls wieder am Horizont zu sehen.

 

Wachsystem

19 Crewmitglieder waren auf drei Wachen verteilt.

Das Wachsystem wurde wie es sich schon oft bewährt hatte gefahren. Drei Wachen mit je 4 Std. Standby, 4 Std. On und 4 Stunden Off. Während die "Off-Wache" die Luvkojen nutzen sollte, hat die Standby-Wache Gewicht auf der Kante gemacht und bei Bedarf auch die Aktiven unterstützt.

Smutje, Navigator und Skipper wachfrei.

 

Der Segeltrimm wurde auch über die Nacht sehr aktiv betrieben. Bei böigen Winden wurde das Groß unerbittlich aufgefiert und dichtgekurbelt. Brachte das Schiff spürbar schneller voran!

 

Seekrankheit

Etwas gebremst wurde die Leistungsbereitschaft durch einsetzende Seekrankheit.

Dieses Thema - sonst gerne "totgeschwiegen" - war schon deshalb unter besonderer Beobachtung, weil Dr. Jens Kohfahl als Organisator darum gebeten hatte, die Fälle von Seekrankheit auf den teilnehmenden Schiffen an Hand eines Fragebogens zu dokumentieren. Sehr sinnvoll, wie ich finde, wenn dadurch Gründe für das Unwohlsein und Möglichkeiten zur Vermeidung gefunden werden können.

Auf der HEXE traten bei 9 von 22 Crewmitgliedern entsprechende Symptome auf. Die meisten waren aber dabei voll einsatzfähig.

Als eine mögliche Ursache dafür wurde die letzte Mahlzeit am Montag, Spaghetti mit fettiger Bolognese, verdächtigt.

Auch mir war zeitweise leicht komisch, habe das aber mehr auf meinen neuen Job an Bord zurückgeführt. Da unser mobiles Navi noch Schwierigkeiten bereitete, musste die Navigation unter Deck gemacht werden. Am Kartentisch zieht konstruktionsbedingt der ganze Mief des Schiffes vorbei, und das in Verbindung mit warmer Luft, flimmernden Bildschirmen und extremen Geräuschen von den Trimmaktivitäten kann offenbar zuviel werden.

 

Am Roundcall Montagabend um 20.40h und Dienstag früh 8.40h konnten wir uns noch beteiligen. Dienstagabend konnten wir keinen der Teilnehmer mehr empfangen.

 

Vor Bass Rock konnten wir bei planmäßig rechts drehenden Code 0 setzen. Leider brach quer ab von Bass Rock das Code 0 - Fall und das Segel mußte geborgen werden. Klappte aber sehr gut, weil das Segel über ein Luftpolster schnell an Bord geholt werden konnte.

 

Unter Gennaker, bei schwächerem, aber stabilem Wind und einsetzendem Gegenstrom liefen wir in den Firth of Forth.

 

Nach 37 Std, 4 Minuten und 50 Sekunden gingen wir durchs Ziel. Damit war der alte Rekord von 2003 (auch HEXE) um über 9 Std gebrochen.  Das war aber natürlich nur mit diesem Schiff, bei dem günstigen Wind und mit der motivierten Crew möglich.

 

Die Motivation der Crew wurde natürlich auch maßgeblich durch die gute Verpflegung mit z. T. sehr individueller Versorgung durch Andreas, unseren Smutje, gefördert. Vor starkem Crewausfall bewahrte uns unser Bordarzt AG (Dr. Andreas Gerdts) durch gute Versorgung der Gepeinigten.

 

Den hervorragenden Zustand des Materials haben wir Jonas und Jens zu verdanken. Wolfgang Kieth hat durch seine gute Arbeit dafür gersorgt, dass die Elektronik funktionierte. Navigation, Kommunikations- und Sicherheitstechnik auf neuestem Stand!

 

Nur mit Hilfe von Nils Betzler konnten wir unseren Liegeplatz im Dockhafen von Edinburgh gleich nach Zieleinlauf erreichen. Nur ihm, als Quasi-Schotten, war es möglich, den Hafenmeister zu verstehen.

 

Allen Beteiligten meinen herzlichen Dank für ihre engagierte Teilnahme. Hat wirklich wieder Spaß gemacht.

Norbert 

 

Nachdem die HEXE am Donnerstag Mittag wieder Edinburgh verließ, haben AG und ich die Stellung mit unseren Frauen gehalten.

Die letzten Yachten kamen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag und haben z. T. wegen der abflauenden Winde für die letzten 20 sm von Bass Rock noch über 9 Std bis ins Ziel benötigt.

Die Einladung zu der Bustour über Land sind wir gefolgt und haben sehr viele schöne und interessante Eindrücke gewonnen. Für folgende Jahre sehr zu empfehlen.

Die Party und "Siegerehrung" am Samstagabend wurde leider durch schlechtes Wetter (Regen und Wind) gestört.

HEXE wurde dabei als schnellstes Schiff über alles und Sieger nach berechneter Zeit in der Gruppe ORCI erwähnt.

 

mehr Info´s hier - crew only

 

 

Allgemeines über die Veranstaltung:

Die Edinburgh Regatta wird seit 1968 ausgetragen und findet alle zwei Jahre jeweils im Wechsel mit dem Pantaenius Rund Skagen Race im Anschluss an die Nordseewoche statt. Als einzige deutsche Hochseeregatta führt die Strecke von Helgoland nach Edinburgh/Schottland 420 sm über die offene See. Der Start erfolgt immer am Pfingstmontag; dieses Jahr am 01. Juni 2009. Es war die 21. Regatta und sollte erstmalig mit internationaler Beteiligung stattfinden.